Besonderer Newsletter zur Lehrveranstaltungsplanung im WiSe 2020/21

Liebe Studierende der Geographie,

in unserem heutigen Newsletter wollen wir uns auf ein besonderes und sehr wichtiges Thema fokussieren, nämlich auf die Lehrveranstaltungsplanung im kommenden Wintersemester, die etwas anders aussehen wird als in den Semestern zuvor. Um zu erklären was genau anders ist, warum und was das für euch bedeutet, müssen wir etwas weiter ausholen.

Wollt ihr nur das Wichtigste zu dem Thema erfahren, könnt ihr die Blöcke 2 und 3 auch überspringen. Hier eine Übersicht:

  1. Übersicht: Worum geht es?
  2. Hintergrund I: Deputat, Lehraufträge und Lehrveranstaltungsplanung
  3. Hintergrund II: die Aufstellung des Lehrpersonals am Geographischen Institut
  4. Wie geht es weiter?

1. Übersicht – Worum geht es?

Kurz und knapp gefasst: das Lehrpersonal an unserem Institut ist bereits seit Jahren überlastet. Das Deputat der Lehrenden in der Geographie reicht regelmäßig nicht aus, um die notwendige Lehre für alle Studierenden anzubieten. Um dies zu lösen, haben in den letzten Jahren immer wieder Lehrende freiwillig mehr gearbeitet, als sie laut ihrem Deputat müssten. Darüber hinaus wurden viele Veranstaltungen durch Lehraufträge abgedeckt.

Dies sollte eigentlich eine kurzfristige Lösung sein, bewirkte jedoch einen Teufelskreis. Das grundlegende Personalproblem in der Geographie wurde nicht angegangen, da das Präsidium die Situation immer wieder so auslegte, als gäbe es keine Dringlichkeit etwas zu ändern.

Falls ihr bereits in das neue Vorlesungsverzeichnis geschaut habt, wird euch aufgefallen sein, dass in einigen Kursen der grundständigen Lehre noch keine Namen der dazugehörigen Lehrenden angegeben sind. Das liegt daran, dass bislang keine zusätzlichen Lehraufträge vergeben wurden bzw. kein freies Deputat mehr zur Deckung vorhanden ist. Warum das so ist, versuchen wir euch nun etwas genauer zu erklären.

2. Hintergrund I: Deputat, Lehraufträge und Lehrveranstaltungsplanung

Dass es zu dieser Situation gekommen ist, hat eine etwas längere Geschichte. Um diese zu verstehen, müssen wir vorab einige Begriffe erläutern.

Unter Deputat versteht man die Anzahl an Semesterwochenstunden (SWS), die Angestellte des Instituts laut ihrem Arbeitsvertrag in der Lehre leisten müssen. Nicht jede Person, die am Institut arbeitet, hat überhaupt ein Lehrdeputat und nicht alle, die ein Lehrdeputat haben, haben gleich viel. Die Anzahl an Stunden variiert auch in Abhängigkeit davon, wie viele zusätzlichen Aufgaben und Belastungen eine Lehrperson hat. Betrachten wir ein theoretisches Beispiel: eine Professorin kann laut Vertrag ein Deputat von 9 SWS haben. Wenn diese Professorin aber auch im Fakultätsrat aktiv ist und außerdem in einem Semester 8 Masterarbeiten betreuen muss, kann sich ihr Deputat reduzieren und es bleiben möglicherweise nur 5 SWS übrig.

Bei der Lehrveranstaltungsplanung wird nun zunächst alles zur Verfügung stehende Deputat der Lehrpersonen am Institut verwendet, um die Lehre abzudecken. Bleiben dann dennoch Veranstaltungen ohne Lehrende übrig, werden meistens Lehraufträge vergeben. D.h. es werden zusätzliche, kurzeitige Verträge mit anderen Lehrpersonen geschlossen, die für ein Semester eine bestimmte Veranstaltung anbieten und dafür zusätzlich bezahlt werden müssen. Das können externe Personen sein, aber auch Personen, die bereits am Institut arbeiten, aber eigentlich kein Lehrdeputat haben, wie z.B. Doktorand*innen oder Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen.

Es ist jedoch Wunsch des Präsidiums, nicht allzu viele Lehraufträge zu vergeben, da diese zusätzlichen Kosten bedeuten. Gerade bei der grundständigen Lehre ist gewünscht, diese durch Deputat allein abzudecken.

3. Hintergrund II: die Aufstellung des Lehrpersonals am Geographischen Institut

Seit längerer Zeit ist die Geographie leider personell schlecht aufgestellt, d.h. sie muss mehr Studierende betreuen, als Lehrpersonal verfügbar ist. In den vergangenen Jahren wurde bei uns am Institut auf zwei Wegen entgegengewirkt: die Lehrpersonen mit Deputat leisteten freiwillig mehr SWS als sie müssten – während sie sich trotzdem in verschiedenen Gremien einbrachten, zahlreiche Abschlussarbeiten betreuten und so weiter. Zusätzlich dazu wurden Lehraufträge vergeben. Diese deckten knapp 30 % der Lehre ab. Nur so war es möglich, alle notwendigen Lehrveranstaltungen ohne Einbußen für die Studierenden anbieten zu können. Seit Jahren herrscht also Notbetrieb in der Geographie. Doch wie konnte es dazu überhaupt kommen?

Im Moment sind gleich drei Professuren, die der Geographie eigentlich seit Langem versprochen sind, nicht besetzt. Ursprünglich war geplant, dass diese Professuren bis zum Anfang dieses Wintersemesters nachbesetzt werden. Dies hat sich nun doch verzögert, da das Präsidium die Ausschreibungen zwischenzeitlich aufgeschoben hatte und dies mit der Corona Situation begründete.

Zusätzlich dazu steht die Geographie ständig in der Kritik, weil nicht gewünscht ist, einen derart hohen Anteil der Lehrveranstaltungen über Lehraufträge anzubieten.

Nach intensiver Arbeit in diversen Gremien sind die freien Stellen nun zumindest vertretungsweise ausgeschrieben und werden hoffentlich bald übergangsweise besetzt. Bis dahin kann nicht genau gesagt werden, wer die betroffenen Lehrveranstaltungen anbieten wird. Darüber hinaus ist es erstrebenswert, dass nicht nur vertretungsweise Lehrende eingestellt werden, sondern eine langfristige Lösung gefunden wird.

4. Wie geht es weiter?

Wir als FSR wurden angesprochen und über die Verhältnisse für das kommende Semester aufgeklärt. Seitdem stehen wir in Kontakt mit den Lehrenden und werden über weitere Ereignisse informiert.

Wir möchten uns mit dem Lehrpersonal unseres Instituts solidarisieren und die Forderungen unterstützen. Einerseits weil es im Sinne der Studierenden ist, eine ausfinanzierte und qualifizierte Lehre am Institut zu haben. Andererseits weil wir der Meinung sind, dass die Arbeitsbedingungen, wie sie momentan für viele unserer Lehrenden existieren, nicht tragbar sind und wir derartige Verhältnisse nicht unterstützen wollen.

Um die Forderungen der Lehrenden zu unterstützen, ist es ungeheuer wichtig, dass wir als Studierende hinter ihnen stehen. Insbesondere, da es hier um die Qualität unserer Lehre geht und auch die der kommenden Generationen an Studierenden.

Das bedeutet für uns in diesem Semester zunächst, dass wir uns ein wenig gedulden müssen, bevor wir eine zuverlässige Auskunft darüber bekommen können, von wem die noch offenen Lehrveranstaltungen angeboten werden. Wir bitten euch daher um Verständnis, dass auch das Studienbüro euch nicht alle Fragen, die ihr möglicherweise zum aktuellen Lehrprogramm habt, beantworten kann.

Zusätzlich müssen wir uns darauf einstellen, dass viele Veranstaltungen im kommenden Semester anders als bisher üblich angeboten werden. Corona ist noch nicht vorbei und die Möglichkeit, Lehre in Präsenz anzubieten, ist nach wie vor eingeschränkt. Wir müssen damit rechnen, dass viele Veranstaltungen digital angeboten werden müssen.

Falls ihr euch fragt, wie ihr bei dieser Sache helfen könnt: bis auf Weiteres bitten wir euch um Verständnis für die Lehrenden und auch für unsere Position als FSR und um Geduld. Wir bemühen uns, neue Informationen und Erkenntnisse so gut und so schnell es geht an euch weiterzugeben und transparent zu kommunizieren. Falls ihr weitere Fragen habt, Bedenken oder Feedback, zögert nicht uns zu kontaktieren!

Bleibt gesund und viele Grüße,

euer FSR Geographie